Workshop Historisches Museum Frankfurt

 

Umbau Museum – Vom Monolog zum Dialog

Kann das Museum –

Ein Ort sein, an dem ‚interkulturelle Heterotopien’ ¹ gelebt, erlebt und verhandelt werden?

Ein bedeutsamer öffentlicher Platz sein, auf dem richtungsweisende Ideen der Gegenwart präsentiert und ausgetauscht werden? ²

 

Wenn ja, wie müssen Museen organisiert sein, um solch offene dialogische Modelle zu gewährleisten? Diese zentrale Frage wurde im Rahmen des workshops auf der Tagung „Das partizipative Museum“ im Historischen Museum Frankfurt aus zwei Perspektiven diskursiv behandelt. Ist der Aufbau der internen Struktur für den Dialog gewappnet und funktionieren die nach ‚außen’ eingesetzten Kommunikationskanäle? Aus diesen Fragestellungen heraus entwickelten sich in den jeweils 3 mal 20-minütigen Workshopphasen folgende Aspekte.

In der ersten Runde wurde der aktuelle Stand der Dinge in größeren Museen mit unterschiedlichen Abteilungen zum Gegenstand der Diskussion ³. Die Analyse des internen Aufbaus dieser Museen ergab hinsichtlich ihrer Personalführung und ihrer internen bzw. externen Kommunikationsprozesse, dass diese meist hierarchisch geführten Häuser den offenen, authentischen Dialog eher verhindern als ihn motivieren. Tatsache ist, die gegebenen, zumeist unflexiblen Strukturen können nicht kurzerhand dynamischen Interaktionsprozessen angepasst werden.

Nun stellte sich in der zweiten Runde die Frage, an welchen Stellen der internen Struktur kann man ansetzen um Veränderungen anzustoßen, welche die Weichen für ein partizipatives Museum stellen? Im Fokus der Überlegungen stand eine Form von Enthierarchisierung der internen Struktur, die einen Schlichtungs- und Rückkopplungsprozess motiviert, welcher flache Hierarchien, Transparenz und ‚das Miteinander’ zum Ziel hat. Umgesetzt durch den Einsatz eines Moderators, einer Moderatorin, die sowohl zwischen denen ‚da oben’ und denen ‚da unten’ vermittelt, als auch Barrieren zwischen den Abteilungen abbaut. Des weiteren indem z.B. die Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ihre Aufgabe nicht ‚nur’ darin sieht, die Arbeitsergebnisse des Museums nach ‚Außen’ zu kommunizieren, sondern auch Anregungen von ‚Außen’ annimmt und diese nach ‚Innen’ weiterleitet und umgekehrt. Dafür notwendig wäre eine Art museale Anlaufstelle, eine Bürgersprechstunde zu etablieren, die eine Schnittstellenfunktion zwischen Innen und Außen übernimmt. Ein Gesicht des Hauses, welches das Haus intern und extern als direkter Ansprechpartner für innere und äußere Belange vertritt. Für die Runde abschließend ließ sich feststellen, dass Umstrukturierungen in einzelnen Abteilungen und die Integration neuer Kompetenzbereiche in den Museumsalltag vonnöten sind, die über entsprechend ausgewählte Weiterbildungsangebote für die Museumsmitarbeiter ergänzt werden sollten.

In der dritten und letzten Runde rückten die nach ‚außen’ eingesetzten Kommunikationskanäle in den Fokus. Währenddessen wurde sehr schnell klar, dass sich diese bisher im Schwerpunkt als sehr selbstzentriert und monologisch darstellen. Um dieser Tatsache entgegen zu wirken entstand die Idee Feldforschungsvorhaben und Gegenwartsmonitoring in die Museumsarbeit zu integrieren, um aktuelle gesellschaftliche Tendenzen stärker wirksam werden zu lassen. Zur Förderung des direkten Dialogs mit BürgerInnen wurden verschiedene museale Aktionen außerhalb der Institution präferiert. Eine weiteres Anliegen war, das viel mehr Optionen geschaffen werden müssen, die eine Teilhabe der BürgerInnen an der Kulturarbeit motivieren, um auch weniger kulturaffine Zielgruppen zu erreichen. Darüber hinaus wurde die Möglichkeit eines dynamischen Gesellschaftsvertrages in Erwägung gezogen, der zukünftige Aufgaben und Profile der Museen im aktuellen Kontext formuliert. Begründung hierfür war, das sich die Museen nicht nur im Hinblick auf die ‚nächste Generation’ über ihre Legitimität Gedanken machen müssten, sondern auch die Herausforderung sich im ständig wandelnden gesellschaftlichen Kontext zu positionieren, nicht unterschätzen dürften.

Abschließend ist festzustellen, das für eine Institution Museum, die als Plattform partizipativer Öffentlichkeiten agieren möchte, eine Umstrukturierung und Kompetenzerweiterung unumgänglich erscheint und somit ein am Anfang geforderter Umbau Museum in den Fokus der Betrachtungen rückt.

¹ Vgl. Weibel Peter. »Interkulturalität im Medienzeitalter«, in: Landesstelle für Museumsbetreuung Baden-Württemberg (Hg.). Museen als Foren zur Vermittlung fremder Kulturen. Museums|magazin, Stuttgart, S. 35-38

² Vgl. Lord, Gail Dexter. »Museums, Lifelong Learning and Civil Society«, in: John, Hartmut: Dauschek, Anja (Hrsg.): Museen neu denken. Perspektiven der Kulturvermittlung und Zielgruppenarbeit. Bielefeld: transcript 2008, S.67-71

³  Kleinere Museen wurden in diesen Überlegungen nicht berücksichtigt, da dort häufig verschiedene Aufgaben in Personalunion erledigt werden.

Sabine Jank 2011



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